Judith Sartor

Programme

„Tanz und Schatten“

Die überbordende Ausgelassenheit höfischer Tänze und der tiefgründige Hang zur Melancholie bilden zwei Pole, die in früheren Jahrhunderten keineswegs unvereinbare Widersprüche darstellten. Das Freiburger Ensemble „Voyage en BLOCK“ kombiniert diese beiden Extreme in einem Programm von Mittelalter bis Barock und bietet mit Werken von Dowland, Purcell, Telemann und anderen eine schillernde Palette musikalischer Affekte.

„Music from the Golden Age“  

Die fast 50-jährige Regierungszeit Elisabeths I . – noch heute das „Goldene Zeitalter“ genannt -  stellte eine in England bis dahin beispiellose Blütezeit der Wissenschaften und der Künste dar. Das Ensemble „Voyage en BLOCK“ präsentiert mit Werken von Dowland, Locke, Blow, Pepusch und anderen einen musikalischen Querschnitt dieser Zeit: Sehnsuchtsvolle Consort-Lieder der Renaissance wechseln ab mit grotesk-verspielten Maskentänzen und kunstvollen barocken Sonaten des 18. Jahrhunders - denn das musikalische „Golden Age“ auf der Insel war mit dem Tod Elisabeths 1603 noch lange nicht zu Ende.

 

Als ein Kurzprogramm (45min):

“… and charm these rebels in my breast!”

In der Musik früherer Jahrhunderte spielten die emotionalen Extreme der Ausgelassenheit und der Nachdenklichkeit schon immer eine bedeutende Rolle. In unserem Programm „...and charm these rebels in my breast“ werden diese beiden Affekte in all ihren Variationen kombiniert und in raschem Wechsel gegenübergestellt.  

Georg Philipp Telemanns Kantate „Seele, lerne dich erkennen!“ entstammt der Sammlung  „Harmonischer Gottesdienst“, und warnt den Menschen vor der Überschätzung seiner geistigen Kräfte. Die folgende Trio-Sonate von Quantz entstand am preußischen Hofe Friedrichs II., der als Schüler von Quantz auch selbst komponierte. Dieser neue, galante Stil, in dem das Stück geschrieben ist, markiert den chronologischen Schlusspunkt, bevor sich unser Programm seinem Zentrum, der englischen Musik des Hochbarock und der Renaissance, zuwendet.  

Henry Purcell komponierte den „Yorkshire feast song“ im Jahre 1690 für die Society of Yorkshiremen in London. Das reich instrumentierte Stück beinhaltet auch eine Arie für Solotenor, dessen Thema kanonisch von zwei Flöten umrahmt wird. Die Chaconne „Two in one upon a ground“ aus der Semi-Oper Dioclesian demonstriert, wie gekonnt der Orpheus britannicus französische Formsprache und englische Harmonik miteinander verband.

Etwa 100 Jahre zuvor wirkten zwei Begründer dieser englischen Tonsprache: Während bei Wilbyes Madrigal „As matchless beauty“ bittersüßes Verlangen nach der stolzen Schönen aufklingt, wurde in „Come, heavy sleep“ der Komponist von der Sehnsucht nach dem Tod inspiriert.  

Beim folgenden Tanzstück aus dem mittelalterlichen Italien ist nur eine einzige Melodiestimme überliefert. Sehr wahrscheinlich wurden die übrigen Stimmen improvisiert - eine Praxis, die für damalige Musiker selbstverständlich war. Eine Reihe von drei Stücken aus dem 15. Jahrhundert beschließt das Programm: „Petite camusette“ beweint die untreue Geliebte, das Minnelied des englischen Königs Heinrich VIII rühmt die Schönheit der Angebeteten und „Filles a marier“ warnt die jungen Damen des Hofes vor einer allzu schnellen Heirat.