Stiftung Podium Junger Musiker und Jeunesses Musicales Deutschland sind im letzten Jahr eine Kooperation für das gemeinsame Bemühen eingegangen, hochtalentierte junge Musiker in ihrer Ausbildung zu fördern. Welchen Beitrag kann die Beschäftigung mit arabischer Musik innerhalb eines 10tägigen Workshops hierzu leisten? Auf diese Frage haben wir mit der " 1. Weikersheimer Begegnung: Orient ? Okzident" unter verschiedenen Aspekten Antworten gesucht.
Der musikalische Aspekt versprach Spannung, weil traditionelle arabische Musik und abendländische Musik nicht nur gegenübergestellt, sondern auch miteinander verwoben werden sollte. Dafür waren die arabischen gegenüber den französischen und deutschen Musikstudierenden in einem doppelten Vorteil: einmal, weil ihre Musikhochschulen in der Regel einen Zweig für traditionelle arabische sowie für westliche Musik haben; zum anderen, weil die Improvisation als zentraler Teil des Workshops in der traditionellen arabischen Musik aus naheliegenden Gründen einen anderen Stellenwert hat.
Der menschliche Aspekt beim Zusammenleben von jungen Menschen aus 6 Nationen in der charmanten Umgebung von Schloss Weikersheim ließ erwarten, dass persönliche Erfahrungen aus den jeweiligen landesspezifischen Musikleben ausgetauscht, Kenntnisse über die gegenseitigen Lebensbedingungen erworben und Einsichten und Verständnis füreinander vermehrt würden. Die Teilnahme auch palästinensischer Musikstudenten bot Gelegenheit, über die traurige aktuelle Situation in Palästina Informationen von den Betroffenen selbst zu erhalten.
Der kulturpolitische Aspekt war die Erkenntnis, dass bis zum 11.September der interkulturelle Dialog mit Islam und Orient offensichtlich nicht ausreichend hat dazu beitragen können, die gegenseitig verfälschten Bilder zu verhindern. Auch können weder Politik noch Wirtschaft die Basis für einen echten Dialog legen, solange kulturelle Feindbilder die Szene beherrschen. Diese Bilder können am besten durch junge Menschen im Zusammenleben neu und konfliktfrei gezeichnet werden. Hierbei ist das Medium Musik - mit den Wurzeln im Orient - ein ideales internationales Hilfsmittel.
Erfreuliche Antworten auf diese Überlegungen haben die 40 Projektteilnehmer aus Ägypten, Palästina, Libanon, Syrien, Frankreich und Deutschland selbst gegeben: musikalisch, mit einem spannenden Abschlusskonzert; menschlich, in der Begeisterung ihres Zusammenseins. Einige Eindrücke hiervon sind in dieser Dokumentation und einer CD festgehalten.
Das Angebot an die jungen Musikstudenten, sich mit einer anderen Musikkultur und deren Vertretern zu beschäftigen, bedingt auch, sich mit ihren Lebensbedingungen und ihrem weiterem Kulturkreis vertraut zu machen. Auch diese Erfahrung zählt zur Ausbildung in dem<small> Sinne, dass das Verständnis für die fremde Kultur erweitert wird und dadurch die eigene Persönlichkeit gewinnt. Diesem Ziel dienten die begleitenden Vorträge und Diskussionen. Prominente Vertreter aus Wissenschaft und Politik haben Grundfragen zum Islam behandelt und sind der Frage nachgegangen, wie der arabisch-deutsche Dialog zu verbessern ist.
Die organisatorischen Erfahrungen aus diesem Projekt, die Reaktionen und Anregungen der Teilnehmer sowie das Echo in Presse und Rundfunk geben uns Anlass zur der Hoffnung, dass
die 1. Weikersheimer Begegnung der Auftakt zu einer erfolgreichen Reihe sein wird.
Dr. Willy Rellecke
Vorstandsvorsitzender Stiftung Podium Junger Musiker
Prof. Martin Christoph Redel
Vorstandsvorsitzender Jeunesses Musicales Deutschland