Das Projekt "Orient-Okzident" hat sich dem Anspruch gestellt, abendländische und orientalische Musik einander gegenüberzustellen und miteinander zu verknüpfen. Dieses Ziel wurde dadurch erreicht, dass Workshops mit sehr unterschiedlichen Inhalten angeboten wurden:
- In den praktischen Einführungen in die arabische Musik wurden die französischen und deutschen Teilnehmer behutsam an das für sie ungewohnte Musizieren ohne Note herangeführt. Die Melodien, die die westlich-tradierte Dur-Moll-Tonalität weit überschreiten, wurden zunächst gesungen, bevor sie auf dem Instrument nachgespielt wurden. Die in der westlichen Musik kaum vertretenen Rhythmen im 7/8 oder 9/4 Takt wurden zunächst durch Klatschen und Schreiten mit dem Körper nachempfunden.
- Sowohl Arabische Improvisation als auch westliche Improvisation erlaubten eine sehr freie Annäherung an die jeweils andere Musikrichtung. Alle Teilnehmer hatten hier die Möglichkeit, sich unmittelbar mit der Musik und den Personen beider Kulturkreise auseinander zu setzen.
- Die Workshops zu Mittelalterlicher Europäischer Musik verdeutlichten Parallelen zur traditionell arabischen Musik der heutigen Zeit. Aber auch unterschiedliche Entwicklungen traten hier besonders hervor.
- Die libanesischen Teilnehmer, die ihr Studium der abendländischen Musik gewidmet haben, erhielten in individuellen Violin-, Viola- und Violoncellostunden Anregungen, ihre Instrumentaltechnik zu verfeinern.
- Die westlichen Repertoireproben (Concerto Grosso von Vivaldi, Kammermusikrepertoire) beinhalteten für alle Beteiligten wichtige interpretatorische Anregungen. Darüber hinaus boten sie vor allem den libanesischen Studierenden Gelegenheit, ihr Können auf diesem Gebiet unter Beweis zu stellen.
- Die Proben des traditionellen arabischen Repertoires gewährten einen Einblick in verschiedene Stilrichtungen innerhalb der orientalischen Musik.
- Ein Dozent und eine Studentin hatten Werke eigens für das Projekt komponiert. Eine weitere Studentin hatte eine Instrumentations-Studie über ein syrisches Thema für westliche Instrumente verfasst. Diese Werke wurden im Abschlusskonzert uraufgeführt. Die Komponistinnen erhielten während der Kurse noch Anregungen für ihre Arbeiten.
Die Proben in Anwesenheit der Verfasser waren für alle Beteiligten sehr bereichernd. Die Vielseitigkeit der Kursprogramme, die sehr facettenreiche Zusammensetzung der Teilnehmer (Studierende unterschiedlicher Instrumentalfächer und des Faches Gesang, aus den Bereichen Klassik, Jazz, Improvisation, Komposition) und nicht zuletzt die große Offenheit aller Beteiligten liess das Projekt "Orient-Okzident" zu einer echten Begegnung werden.
Ruth Jakobi
Projektleiterin